Frei?

Auf der Mailingliste gibt es gerade eine Diskussion zum Thema Lizenzen und Lizenzverstöße; und zwar nicht darum, ob wir gegen Lizenzen verstoßen, sondern um Leute, die gegen unsere Lizenzen verstoßen. Nun möchte auch ich dazu mal meine Gedanken niederschreiben.
Für mich bezog und bezieht sich das “frei” in “freie Enzyklopädie” schon immer mehr auf Bier wie auf Rede. Das, was unser Werk für mich so wertvoll macht, ist die freie Verwendbarkeit; also das jemand seinen Browser startet und schnell was nachlesen kann. Wenn das zufrieden funktioniert hat, dann bin ich zufrieden. Mir geht es nicht darum, das jemand mitbekommt, das ich das geschrieben habe. Hätte die Wikipedia eine Lizenz, die alle Beiträge gemeinfrei stellen würde, würde ich trotzdem mitmachen.
Das Gleiche gilt für mich, wenn jemand den Text weiterverwendet. Bei einem gedruckten Großwerken wie Büchern reicht es mir völlig, wenn mein Name irgendwo am Ende des Buches unter “Autoren der Beiträge” steht; auch eine Quellenangabe “aus der Wikipedia” bei kurzen Textübernahmen reicht mir völlig; und ein Weblink auf den Wikipedia-Artikel bei einer Online-Weiternutzung auch.
Ich arbeite hier mit um Leuten weiterzuhelfen. Ich will nicht Leute lizenztechnisch erziehen oder meine persönliche Eitelkeit stärken. Das Wissen soll frei sein und verbreitet; und wenn jemand – wie im aktuellen Fall – Wikipediatexte nimmt und auf CD spricht, dann ist das eine Verbreitung, die uns allen nutzt: Weitere Personen profitieren von unserer Arbeit. Und wenn der Verein am Ende noch 3,50€ für die Logonutzung bekommt: um so besser.
Mir ist überhaupt nicht geholfen, wenn die beiden längsten Tracks auf der CD am Ende “Autorennamenvorlesen” und “Lizenztextvorlesen” heißen. Und wenn jetzt Leute hingehen und sagen “aber die Sprachaufnahmen sind nun auch GNU FDL und müssen uns daher überlassen werden”, so Gewinnen wir ein paar Audio-Dateien; der Verlag wird aber daraus lernen und nie wieder eine solche CD verfassen – damit ist dann auch die Weiterverbreitung futsch.
Auf der Mailingliste wurden auch die Klagen von Linux-Tools- bzw -Kernel-Entwickler gegen Hardwarehersteller angesprochen. Meiner Meinung nach kann man das nicht mit uns vergleichen. Den Entwicklern geht es zumeist darum, Information über die Hardware zu bekommen – einfach weil die Hardwarehersteller damit ungern rausrücken – um ihre Software daran anzupassen. Wer sich die “Linux läuft auf meinem Toaster”-Wettbewerbe ansieht, wird mich verstehen. Wir sind aber nicht darauf angewiesen, Informationen über Hardware zu erhalten. Wikipedia läuft im Web und gut ist. Wenn es jemand wo anders drauf laufen lassen möchte (Intranet, CD/DVD, Buch, Handy, etc. pp.) dann muss er sich darum kümmern. Und meiner Meinung nach sollte man ihm dabei so wenig Steine wie möglich in den Weg legen.

Und nun macht mich rot ;)

3 Responses to “Frei?”

  1. dapete says:

    Ich gehöre zu denen, die “freie Enzyklopädie” nicht nur wie in “Freibier” verstehen wollen, und bin durchaus der Meinung, dass ein Bisschen “Erziehung” keine schlechte Idee wäre; aber was die Einhaltung der GFDL angeht, würde ich es auch nicht übertreiben. Bei der CD können Lizenz und Autoren auch im Booklet stehen, vertonen muss das keiner – bei den GFDL-Bildern in der Wikipedia steht die Lizenz schließlich auch nicht im Bild selbst.

    Zum Glück sind das hier nicht die Heise-Foren, also nix mit rot ;) Und außerdem bekämst du von mir grün, denn auch, wenn ich in vielen Punkten anders denke, ist deine Meinung absolut nachvollziehbar.

  2. jc says:

    Jap, deine Meinung ist nachvollziehbar, d.h. aber nicht, dass ich ihr zustimme.

    Natürlich heißt „frei“ auch „frei verwendbar“ nach deiner Definition. Aber das finde ich gerade an dem Wort „frei“ so schön, eben dass es mehrdeutig ist. Natürlich lässt sich streiten, inwiefern die GFDL strikt ausgelegt werden und inwiefern sie (auf der CD) selbst vorgelesen muss. D.h. aber immer noch nicht, dass jeder damit machen kann, was er will. Ich finde, eine „cc-by-Auslegung“ der GFDL entspräche nicht unseren Grundsätze und auch der Achtung gegenüber den zahlreichen Autoren.

    Zur CD: ein Abdruck im Booklet reicht m.E., kann gerne auch in Strift pt 5 oder 6 sein.

  3. klml says:

    > Bier wie auf Rede
    > Browser startet und schnell was nachlesen
    > “Autorennamenvorlesen” und “Lizenztextvorlesen”
    FullACK

    > der Verlag wird aber daraus lernen und nie wieder eine solche CD verfassen – damit ist dann auch die Weiterverbreitung futsch.
    Das ist imho die Entscheidung zwischen Reichweite und Viralsystem. Klar es bringt keinem was, wenn wegen der GFDL keiner eine CD einliest. Allerdings würde sich das Projekt GesprochenenWikipedia evtl. freuen über richtig gute Tonaufnahmen. Das sind afaik zwei Philospohien: BSD-Lizenz oder GNU, Hippie oder ‘viral’, beide sehr cool, aber schwer zu vergleichen.

    Ich denke das es sinnvoll ist einem Verlag die alleinigen Rechte erst einmal zuzugestehen (rein praktisch nicht juristisch betrachtet) um seine Investition zu rechtfertigen, aber wie lange? 1 Jahr, 20 Jahre oder gleich 90 Jahre?

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